Unter der Lupe 5: … wie Priestersein unter den heutigen Bedingungen gelebt werden kann (Bischof Oberbeck)

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ist für ein offenes Gespräch über den Zölibat: „Wir müssen miteinander angstfrei darüber reden können, wie Priestersein unter den heutigen Bedingungen gelebt werden kann – und zwar so, dass unsere Priester sich dabei zu starken Persönlichkeiten entwickeln können und ihren Dienst mit großer Freude tun“, sagte Overbeck der in Bonn erscheinenden „ZEIT“-Beilage „Christ und Welt“. Viele Geistliche ringen nach Overbecks Worten „intensiv mit ihrer Lebensform“. Sie suchten nach Wegen, um mit den Fragen von Sexualität, Sehnsucht nach Nähe, Angst vor Einsamkeit und tragenden Freundschaften zurechtzukommen, so der Militärbischof weiter. Das alles komme zu den Belastungen des beruflichen Alltags noch hinzu. „Ich weiß, dass es so manchen Priestern nicht wirklich gut damit geht“, so Overbeck.

Radio Vatikan – Artikel von 22.01.2014

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ist für ein offenes Gespräch über den Zölibat: „Wir müssen miteinander angstfrei darüber reden können, …

Solche Modewörter wie „angstfrei“ sollte ein seriöser Gesprächspartner unterlassen.

… wie Priestersein unter den heutigen Bedingungen gelebt werden kann …

Was verstehen Sie unter heutigen Bedingungen? Meinen Sie die Sexualisierung der Gesellschaft? Katholisches Priestersein musste noch unter ganz anderen Bedingungen gelebt werden. Denken Sie nur einmal an die Zeit des Nationalsozialismus. Damals gab es natürlich auch Priester, die sich den Bedingungen der damaligen Zeit anpassten. Andere aber sind für ihr (authentisches) Priestersein ins KZ gegangen.

… gelebt werden kann – und zwar so, dass unsere Priester sich dabei zu starken Persönlichkeiten entwickeln können …

Werden in Ihrem Priesterseminar Bewerber ausgebildet, die ihre Persönlichkeit erst nach der Priesterweihe entwickeln wollen? Natürlich müssen wir alle auf dem Weg zur Heiligkeit uns immer neu bemühen und auch immer wieder unser Versagen eingestehen. Aber das Priestertum als „Persönlichkeitsentwicklungsinstrument“ zu charakterisieren erscheint doch etwas exotisch.

Viele Geistliche ringen nach Overbecks Worten „intensiv mit ihrer Lebensform“.

Sollte das Ringen mit der „Lebensform“ nicht vor der Priesterweihe stattfinden? Die angehenden Priester haben doch nun wirklich Zeit genug, sich mit ihrer neuen Lebensform auseinanderzusetzen. Nach der Priesterweihe mit dem „Ringen“ anzufangen erscheint mir doch recht unehrlich. Außerdem ringen nicht nur Priester mit ihrer Lebensform.

Sie suchten nach Wegen, um mit den Fragen von Sexualität, Sehnsucht nach Nähe, Angst vor Einsamkeit und tragenden Freundschaften zurechtzukommen, …

Es ist nicht ersichtlich, warum Sie diese vier Problemfelder ausgerechnet beim Priester ausmachen wollen. Mit diesen Fragen muss doch jeder Mensch – mehr oder weniger – zurechtkommen. Es gibt viele Alleinstehende, die, aus welchen Gründen auch immer, keine Ehe eingehen konnten. Nun scheint es, oberflächlich betrachtet, für den Priester die Aufhebung der Zölibatsverpflichtung zu sein, die eine Lösung der Probleme bringen soll. Was aber raten Sie den Alleinstehenden, um z. B. mit der „Frage der Sexualität zurechtzukommen“? Da gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder man legt die Sexuallehre der Kirche ad acta (was ja heute selbst von Bischöfen gefordert wird), oder aber man legt seine Probleme in Gottes Hand in dem Wissen, dass, wenn man „das Kreuz auf sich nimmt“, immer auf dem Weg des Heiles und der Heiligkeit ist. Aber das Kreuztragen entspricht wohl heute nicht mehr der „theological correctness“. Sind Sehnsucht nach Nähe, die Angst vor Einsamkeit und die Frage nach tragenden Freundschaften wirklich nur Bereiche, die den Priester betreffen? Alle Menschen sind von diesen Fragen betroffen, und der Priester muss nicht, nur weil der ehelos lebt, auf Nähe und Freundschaft verzichten. Und die Einsamkeit, vor allem im Alter, kann jeden Menschen treffen. Am 24. April 2005 sagte der neu gewählte Papst Benedikt XVI. zu seiner Amtseinführung: „Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht.“ Der Glaube besiege die Einsamkeit und den Egoismus.

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