Kardinal Kasper und die Jokerkarte

Ich wollte einen Kommentar zum „Offenen Brief an Kardinal Kasper“ auf „Summa Summarum“ schreiben. Leider reichte der Platz im Kommentarbereich nicht aus. So veröffentliche ich den Kommentar hier.

Sie bringen die anstehenden Probleme in dieser Frage genau auf den Punkt. Kardinal Kasper fragt: „ … wenn er sich aber nach besten Kräften darum müht, die zweite zivile Ehe aus dem Glauben zu leben und seine Kinder im Glauben zu erziehen, wenn er Verlangen nach den Sakramenten als Quelle der Kraft in seiner Situation hat – müssen und können wir ihm dann nach einer Zeit der Neuorientierung das Sakrament der Buße und die Kommunion verweigern?“ Hier sind einige Fragen zu stellen. Hat er [der/die wiederverheiratete Geschiedene] bisher das Verlangen gehabt, aus dem Glauben zu leben, sprich, hat er jeden Sonntag die hl. Messe mitgefeiert, hat er regelmäßig das Sakrament der Buße empfangen, hat er häufig in der hl. Schrift gelesen, hat er mit seiner Familie das tägliche Gebet gepflegt, hat er sich durch gute christliche Literatur in seinem Glauben festigen lassen, hat er seine Kinder wirklich im katholischen Glauben erzogen? Und wenn man diese Gnadenmittel nicht genutzt hat, aber nun lautstark von der Kirche eine sog. Barmherzigkeit einfordert, erscheint das doch zumindest ein wenig unaufrichtig. Und dann: Was soll das heißen „nach einer Zeit der Neuorientierung“? Löst sich danach die erste sakramental geschlossene und nach katholischer Lehre unauflösliche Ehe auf wie der Zucker im Kaffee? Auch wenn Kardinal Kasper das Gegenteil behauptet, mit seiner These der „Neuorientierung“ gibt er die Unauflöslichkeit der Ehe preis.
Auch Ihrer kritischen Anmerkung zum Verschweigen einer glaubenskonformen Lösung des Problems kann ich nur zustimmen. Es ist tatsächlich so, „dass man die Forderung nach der Enthaltung vom „ehelichen Akt“ (ich verwende diesen etwas altmodischen Ausdruck bewusst) für vollständig weltfremd und unrealistisch hält.“ Zwei Anmerkungen zu dieser Frage: 1. Es gibt eine große Zahl von Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, keine Ehe eingehen konnten und somit im „unfreiwilligen“ Zölibat leben. Auch ihnen mutet unser Glaube völlige sexuelle Enthaltsamkeit zu. Man darf gespannt sein, wann die „Jokerkarte Barmherzigkeit“ auch hier gezogen wird und welche Ausweichmöglichkeiten diesen Menschen angeboten werden. 2. Den tieferen Grund für die die „neue Barmherzigkeit“ fand ich in einer Rede, die Pater Werenfried van Straaten gegen die Abtreibung hielt. In dieser Rede sagte er u. a. „Ein christliches Leben ohne Kreuz ist undenkbar. Ein Christ muss dazu bereit sein, die Verantwortung, die Lasten und die Prüfungen, die das Leben mit sich bringt, auf sich zu nehmen… Dieses Kreuz um jeden Preis aus dem Leben zu verbannen, ist vielleicht der größte Verrat, der jetzt an Christus begangen wird, …“. Damit erinnert er an das Herrenwort: „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig“ (Mt 10,38).
In der ganzen Diskussion um die „Barmherzigkeit“ muss ich unwillkürlich daran denken, dass die moderne Gesellschaft genau mit diesem Argument auch das 5. Gebot Gottes ausgehebelt hat. Mit nachweislich gefälschten Zahlen appellierte man an die Barmherzigkeit gegenüber den Frauen, die sich zwecks Abtreibung in die Hände von Kurpfuschern begeben „mussten“ und damit Gesundheit oder gar ihr Leben riskierten. Und so müssen nun jährlich Tausende von noch nicht geborenen Kindern „aus Barmherzigkeit“ sterben. Ähnliche Argumentationsmuster werden im Kampf für die Euthanasie verwendet. Ist das Ziel erreicht, fällt die Maske. Aus dem Mitleid mit der Frau wird sehr schnell die Forderung nach einem Recht auf Abtreibung. Und genau so wird es in der hier behandelten Frage gehen, sollte sich Kardinal Kaper mit seinen Thesen durchsetzen. Über die Etappen „Barmherzigkeit“ und „Ausnahme“ bzw. „Einzelfallentscheidung“ wird sehr bald das „Recht auf eine zweite (oder dritte) Ehe“ werden.

Ebenfalls zustimmen muss man Ihren Ausführungen über die Folgen einer geänderten Praxis im Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen. Jede sexuelle Betätigung außerhalb der Ehe wird damit legitimiert. Wer das für übertrieben hält, lese aufmerksam den folgenden Abschnitt. Mit Billigung der deutschen Bischöfe wird unserer katholischen Jugend folgendes mit auf den Weg gegeben:

Der BDKJ-Diözesanausschuss des Bistums München gibt den jungen Menschen folgenden Ratschlag auf den Weg: „Sex als einvernehmliche Entscheidungen und Handlungen zweier selbst bestimmter Menschen kann die Menschenwürde nicht verletzen. Sex ist so natürlich wie atmen oder essen, und es gibt keinen Unterschied zwischen Sex vor, während und nach der Ehe. Sex ist Sex – und das Verbot vorehelichen Sex‘ ist viel eher ein „schwerer Verstoß gegen die Würde des Menschen“.

Nun liest man aber in der 20-seitigen Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom 3. Februar 2014: „Die Lehre der Kirche wird dort, wo sie bekannt ist, meist nur selektiv angenommen … Die kirchlichen Aussagen zu vorehelichem Geschlechtsverkehr, zur Homosexualität, zu wiederverheirateten Geschiedenen und zur Geburtenregelung finden … kaum Akzeptanz oder werden überwiegend explizit abgelehnt.“ Leider haben die deutschen Bischöfe nicht den Mut zuzugeben, dass sie für diese Entwicklung in hohem Maße mitverantwortlich sind.

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