Bischof Oster mag keine Polarisierung – Ein Brief

Sehr geehrter Herr Bischof,

auf Ihrer Facebookseite schrieben Sie u. a. folgendes: Ich möchte daher die kath.net-Redaktion bitten, … grundsätzlich zu unterstellen, dass andere auch dann der Ehre Gottes und dem Wohl der Kirche und dem Heil der Menschen insgesamt dienen wollen, wenn sie nicht die Position von kath.net teilen. Sie sollten als gebildeter Mensch wohl wissen, wie viel Unheil im Lauf der Menschheitsgeschichte „in guter Absicht“ angerichtet wurde. Ein Beispiel aus dem Alltag, das jeder verstehen kann: Ein Unfall! – Ein Ersthelfer bemüht sich um einen Schwerversetzten. – Ein Sanitäter erscheint und bemerkt, dass der Ersthelfer dabei ist, dem Verletzten endgültig das Lebenslicht auszublasen. – Soll er dann den Ersthelfer weitermachen lassen, nur weil der ja eine gute Absicht hat? Ich denke, auch Sie werden diese Frage verneinen. Und genau darum geht es auch in der Kirche. Die Frage ist überhaupt nicht, wie Sie es darstellen, ob Laien, Priester und Bischöfe dem Heil der Menschen und der Ehre Gottes dienen wollen, sondern ob sie es tun.

Schauen wir uns einmal einige Fakten an. Im Bistum von Kardinal Marx darf der katholischen Jugend per BDKJ folgende Empfehlung mit auf den Lebensweg gegeben werden[1]: „Sex als einvernehmliche Entscheidungen und Handlungen zweier selbstbestimmter Menschen kann die Menschenwürde nicht verletzen. Sex ist so natürlich wie atmen oder essen, und es gibt keinen Unterschied zwischen Sex vor, während und nach der Ehe. Sex ist Sex – und das Verbot vorehelichen Sex‘ ist viel eher ein „schwerer Verstoß gegen die Würde des Menschen“.

Wer wird denn da so böse sein, und Kardinal Marx unterstellen, er fördere die Jugend nicht auf dem Weg zur Heiligkeit?

Wenn ich recht informiert bin, darf ein Pfarrer wohl nicht gegen die Überzeugungen seines Bischofs sprechen. Da lesen wir im „Münchener Merkur“ (14.10.2011) also folgendes: (…) Und ob einer katholisch getauft ist oder nicht, interessiert Schießler nicht, wenn er die heilige Kommunion austeilt.[2] (…) Er sagt: „Gott ist kein Korinthenkacker, der zählt, wie oft einer in die Kirche geht“ oder „Es gibt nur eine Sünde: die des ungelebten Lebens.“ (…) Für all das liebt ihn seine Gemeinde im Glockenbachviertel, die Leute spenden nach seinen Predigten Applaus.

Wer wird denn da so bösartig sein und Kardinal Marx unterstellen, er fördere nicht den Glauben an die eucharistische Gegenwart unseres Herrn und die eucharistische Frömmigkeit.

Folgende Äußerung von Kardinal Marx steht nun im Raum: „Wir sind keine Filialen von Rom. Jede Bischofskonferenz ist für die Pastoral in ihrem Kulturkreis zuständig und hat das Evangelium in ureigener Aufgabe selber zu verkünden. Wir können nicht warten, bis eine Synode sagt, wie wir hier Ehe- und Familienpastoral zu gestalten haben.“ [3]

Mit diesen Worten ruft Kardinal Marx eindeutig zur Kirchenspaltung auf, da kann es keine beschönigenden Interpretationen geben. Von einer glaubwürdigen Pastoral kann man nur sprechen, wenn sie im Einklang mit der Wahrheit des Glaubens steht. Nach Kardinal Marx soll jede Bischofskonferenz aber das Recht haben, „für die Pastoral in ihrem Kulturkreis zuständig“ zu sein. Damit fordert er das Recht für Bischofskonferenzen, je eigene Glaubensinhalte zu verkünden. Dass sich dann natürlich auch viele Pfarreien nicht mehr als „Filiale des Bischofs“ verstehen wollen, kann nicht ausbleiben.

Ja, sehr geehrter Herr Bischof, hier haben sie als Chef einen weltkirchlichen Polarisierer par excellence – haben Sie dazu schon Stellung genommen? Aber das Hemd ist einem ja nun mal näher als der Rock, und in der Bischofskonferenz scheint so eine Art „Ermächtigungsgesetz“ in Kraft getreten zu sein. Von einer Polarisierung ist nichts zu spüren. Erfüllt Sie das nicht mit großer Freude? Es sieht so aus, als ob sich alle deutschen Bischöfe den Vorstellungen ihres Vorsitzenden fügen. Ich neige deshalb dazu, folgender Interpretation bzgl. Ihrer Ausführungen über Kath.net zuzustimmen:

„Das alles ist keine Erfindung von Bischof Oster. Der Druck auf ihn ist erheblich. Kardinal Marx will mit einer kompakten Wucht der deutschen Kirche bei der Bischofssynode auftreten. Abweichler, und seien es nur potentielle, werden da weder gebraucht noch geduldet. (…) Wie gesagt: Osters Distanzierung ist nicht für die Redaktion von Kath.net geschrieben, sondern für die Ohren derer, die offensichtlich ihn unter Druck gesetzt haben mit der Kritik einer zu großen Nähe zu Kath.net. Was machte Bischof Oster? Er ließ Kath.net ohne mit der Wimper zu zucken über die Klinge springen und kroch unter den Mantel des mächtigen Marx.“[4]

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Kubon

[1] Informationen zur Veranstaltung „Zu mir oder zu dir? Themen zwischen Bett und Beichtstuhl“

[2] Hervorhebung von mir

[3] http://www.kath.net/news/49624

[4] http://www.katholisches.info/2015/03/02/passauer-distanzierungen-und-ein-osterhase-kroch-unter-marxens-fittiche/

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