Weihnachts-Schwachsinn in der Dompfarre Wien

Im Weihnachtspfarrblatt 2016 eröffnet uns Pfarrer Toni Faber durch Frau Polak eine neue Sicht von Weihnachten. Frau Polak schreibt  in ihrem Beitrag u. a. folgendes:

Bitte erschrecken Sie jetzt nicht: Die Vorstellung von der „Menschwerdung“ Gottes ist eine Häresie – ein anderer als der biblisch bezeugte Glaube… Die Vorstellung – die auch ich jahrelang hatte – dass der allmächtige Gott zu Weihnachten in Form eines Kindes zur Welt gekommen ist, entstammt heidnisch-hellenistischen Vorstellungen von Theophanien.

Dass Frau Polak nur eine „Vorstellung“ hatte, ist bezeichnend und defizitär. Wir Christen haben keine Vorstellung, sondern einen Glauben. Zwischen beiden liegt ein gravierender Unterschied.

Denn dass das Wort Fleisch geworden ist, bedeutet: Es materialisiert sich in der menschlichen Geschichte, es wird Geschichte.

Diese Aussage ist völlig konfus. Was meint Frau Polak mit „Wort“? Die zweite göttliche Person? Davon kann sie doch gar keine Kenntnis haben, wenn sie leugnet, dass das Wort „unter uns gewohnt hat“. Und was soll die Bemerkung, dass es sich in der menschlichen Geschichte materialisiert? Das sind doch leere Worthülsen. Wie hat sich denn das „Wort“ materialisiert, wenn es nicht Mensch geworden ist?

Die „Selbsterniedrigung“ Gottes in der Geburt eines Kindes bezeugt ein weiteres Mal, dass Gott seine Macht mit seinen Geschöpfen teilt und sie an der Schöpfungsgeschichte beteiligt, …

Wahrscheinlich versucht Frau Polak durch völlig irre Aussagen den Eindruck von Kompetenz zu erwecken. Was soll denn der Satz „Die ‚Selbsterniedrigung‘ Gottes in der Geburt eines Kindes …“, wenn sie gleichzeitig abstreitet, dass Gott in einem Kind Mensch geworden ist. Oder meint sie hier alle Kinder dieser Erde? Aber wieso soll die Geburt von Kindern eine Selbsterniedrigung Gottes sein? Und was bitte soll es heißen, „dass Gott seine Macht mit den Geschöpfen teilt“? Will Frau Polak vielleicht sagen, dass es Millionen von Abtreibungen sind, bei denen Gott seine Macht mit den Geschöpfen teilt?

Jesus ist der Sohn des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs – der Gott Israels. „Sohn“ aber ist keine biologische Aussage, sondern beschreibt eine einzigartige Form inniger Beziehung zu Gott.

Zunächst einmal ist der Begriff „biologisch“ hier völlig fehl am Platz. Die Menschwerdung Gottes hat nichts mit Biologie zu tun. Wenn Frau Polak dann meint, dass die Bezeichnung Sohn nur eine „einzigartige Form inniger Beziehung zu Gott“ beschreibt, sagt sie damit nochmals, dass Jesus nicht Gott ist. Inwiefern dann diese Beziehung einzigartig sein soll, müsste sie näher erklären. Im Laufe der Geschichte gab es viele Menschen, die eine intensive Beziehung zu Gott hatten. Wieso ist die Beziehung Jesu dann einzigartig (das bedeutet doch, es hat keine andere solche Beziehung gegeben)?

Als Ehrentitel für das Volk Israel, das in ebendieser innigen Beziehung zu Gott steht, bedeutet die Sohnschaft des Jesus von Nazareth, dass zwischen ihn und Gott gleichsam „kein Blatt Papier“ passt. Diese Beziehung ist nicht durch die Sünde verstört, sondern so untrennbar, dass in Jesus Gott selbst wirken kann. Insofern ist Jesus für Christen einzigartig und „göttlich“. Jesus bleibt dabei aber immer ein Gegenüber zu dem einen und einzigen Gott.

Wieder so eine leere Worthülse: „… bedeutet die Sohnschaft des Jesus von Nazareth, dass zwischen ihn und Gott gleichsam ‚kein Blatt Papier‘ passt.“ Ist das die neue Definition unseres Herrn, dass zwischen ihn und Gott „kein Blatt Papier“ passt?

Vielmehr wendet sich ein beweglicher, sich stets verändernder und alle menschlichen Vorstellungen immer wieder durchkreuzender Gott erneut der Welt zu und zeigt „in“ Jesus von Nazareth, wie er den Menschen gemeint hat und in und mit ihm wirken will.

Soll das eine Satire sein? Ein „beweglicher“ Gott, ein Gott der sich stets „verändert“. Da möchte man doch etwas mehr über die Beweglichkeit und die stete Veränderung Gottes erfahren. Ebenso hohl ist die Phrase, dass Gott in Jesus gezeigt hat, wie er den Menschen gemeint hat. Es gibt ungezählte Menschen – ich denke u. a. an die Heiligen der katholischen Kirche – die uns vorgelebt haben, wie Gott den Menschen gemeint hat.

Der langen Ausführungen von Frau Polak kurzer Sinn ist: Jesus Christus war nicht Gott.

Damit erübrigt sich das Christentum. Begnadete, heiligmäßige Menschen hat es viele gegeben. Aber Mensch bleibt Mensch, mit all seinem Versagen und seiner Sündhaftigkeit. Der Mensch, zwischen den und Gott „kein Blatt Papier“ passt, ist ein Phantasiegebilde. Wenn Jesus Christus nicht der menschgewordene Sohn Gottes ist, dann:

  • mögen seine Worte zwar tiefsinnig und erbaulich sein, verbindlich sind sie nicht.
  • hat sich für uns Menschen durch ihn nichts Entscheidendes verändert. Weisheitslehrer gibt es viele.
  • wird die Eucharistiefeier zu einer netten Folkloreveranstaltung mit brüderlichem Anstrich.
  • dann ist sein Versprechen, uns ewiges Leben zu schenken, eine Anmaßung, denn kein Mensch kann dies versprechen, ohne sich lächerlich zu machen.

Diese Aufzählung könnte ziemlich lange weitergeführt werden, aber das macht wenig Sinn, denn die Äußerungen von Frau Polak sind absolut inkompatibel mit der Heiligen Schrift und der authentischen katholischen Theologie, so dass es nicht lohnt, Zeit darauf zu verwenden. Die Weigerung, Jesus als wahren Gott und Mensch zu bekennen, ist ja nicht neu und nicht selten. Seit der frühen Zeit des Christentums gibt es Richtungen, die die Gottheit Christi leugnen. Trotz verschiedener Varianten des Arianismus, war man sich in einem Punkt einig: Der Vater allein ist Gott. Frau Polak kann sich also auf eine lange Tradition berufen, erkennt aber nicht, dass sie nur alte Irrlehren wiederkäut. Abwegig allerdings ist, dass sie ihre Überzeugung aus der Hl. Schrift zu belegen versucht.

Dass Frau Polak ihre eigene „Vorstellung“ von Christus hat, will ihr auch niemand streitig mache. Schließlich ist sie ein armes, theologisch beschränktes Mädchen, das halt einmal von sich reden machen möchte. Unverständlich jedoch ist es, dass ein katholischer Pfarrer nicht mehr zwischen Scharlatanerie (Der Duden definiert Scharlatan abwertend als „jemanden, der bestimmte Fähigkeiten vortäuscht und andere damit hinters Licht führt“.) und Theologie zu unterscheiden vermag. Wenn sich Herr Faber als Privatmann gerne Fabeleien zuwendet, ist das seine Sache. Aber er ist Pfarrer und täuscht und verunsichert somit seine ihm anvertrauten Gläubigen. Das ist ein Missbrauch seines Amtes. Es ist auch eine eklatante Verletzung der Hirtenpflicht, dass sein Bischof ihn weiterhin als Pfarrer wirken lässt. Niemand wünscht Herrn Faber etwas Schlechte. Er mag sein Gehalt ruhig weiter beziehen, aber von den Gläubigen sollte man ihn fernhalten.

Zum Schluss noch etwas „Schwarzbrot“, das sich doch sehr von der „Kein-Blatt-Papier-Theologie“ von Frau Polak unterscheidet.

Der hl. Augustinus schreibt in „Sermo 186,1“:

Antequam enim fieret, erat: et quia omnipotens erat, fieri potuit manens quod erat. (Bevor er [Mensch] wurde, war er: und weil er allmächtig war, konnte er [Mensch] werden, wobei er blieb, was er war.)

Und in „Enarrationes in Psalmos“ heißt es:

O verbum ante tempora, per quod facta sunt tempora, natum et in tempore, cum sit vita aeterna, vocans temporales, faciens aeternos. (O Wort vor den Zeiten, durch das die Zeiten geworden sind, geboren in der Zeit, obgleich er das ewige Leben ist; es ruft die der Zeit Verfallenen, um sie mit der Ewigkeit zu beschenken.

Und der hl. Athanasius beschreibt das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in „De incarnatione Verbi“ so:

Nun wohlan, Glücklicher und wahrer Christusjünger, im Folgenden wollen wir, dem frommen Glauben treu, auch die Fragen von der Menschwerdung des Logos behandeln und uns klar werden über seine göttliche Erscheinung unter uns, auf welche die Juden lästern, die Heiden höhnen, die wir aber anbeten. So soll dann die äußere Erniedrigung des Logos dir geradezu Anlass geben zu einer noch größeren und höheren Ehrfurcht gegen ihn. Denn je mehr er den Ungläubigen zum Gespötte ist, desto schlagender führt er den Beweis für seine Gottheit, weil er das als möglich offenbart, was Menschen unmöglich und darum unbegreiflich finden, weil er in seiner Güte das ehrenhaft macht, was Menschen als anstößig verspotten, weil er in seiner Macht das als göttlich erweist, was die Menschen in ihrer Weisheit als menschliche Schwächen verhöhnen, insofern er den Götzenwahn mit seiner vermeintlichen Erniedrigung am Kreuze zerstört und die Spötter und Ungläubigen unvermerkt bekehrt, so dass sie seine Gottheit und Macht anerkennen. Zur Erläuterung dessen ist es angezeigt, an das bereits Gesagte zu erinnern, damit du auch den Grund der in einem Leibe erfolgten Erscheinung des so großen und erhabenen Logos des Vaters einsehen könnest und nicht etwa meinst, der Heiland hätte dem Naturgesetz zufolge einen Leib getragen; vielmehr sollst du erkennen, dass er, obschon unkörperlich von Natur und Logos, gleichwohl gehorsam der Menschenfreundlichkeit und Güte seines Vaters um unseres Heiles willen im Menschenleibe uns erschienen ist.

Im „Athanasischen Glaubensbekenntnis“ (Man findet es unter diesem Namen im Internet) heißt es u. a.:

Aber zum ewigen Heil ist es ferner notwendig, treu auch an die Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus zu glauben. Das ist nun der rechte Glaube: Wir müssen glauben und bekennen, dass unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, Gott und Mensch ist.

Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.

(Mt 10, 31-32).

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