Getarnte Diener der Abtreibungslobby

Eine kaum beachtete, für Katholiken aber bedrückende Meldung fand sich am 24.05.2017 auf „rbb-online“: „Der umstrittene ‚Marsch für das Leben‘ verliert an Rückhalt in der Katholischen Kirche. Die diesjährige Veranstaltung in der Hauptstadt findet ohne die Unterstützung des Berliner Diözesanrats der Katholiken (BDK) statt. Die höchste Laienvertretung im Erzbistum lehnte einen Antrag zur Unterstützung bei ihrer jüngsten Vollversammlung mit großer Mehrheit ab, wie der Ratsvorsitzende Bernd Streich am Mittwoch sagte.

Was verrät uns diese Meldung? Was muss sich der unvoreingenommene Leser denken? Sicher kommt er nicht auf die Idee, der „Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin“ (BDK) habe etwas gegen Abtreibung, eher das Gegenteil. Weiterhin ist zu vermuten, dass der BDK sich politisch korrekt dafür stark macht, die Tötung Ungeborener aus der öffentlichen Diskussion fernzuhalten. Wer die ordinären bis blasphemischen Agitationen der Abtreibungsbefürworter beim letzten „Marsch für das Leben“ miterlebt hat, wundert sich natürlich, in welcher Gesellschaft sich der BDK anscheinend recht wohlfühlt. Auch der ökumenische Aspekt ist interessant, heißt es doch im oben erwähnten Beitrag auch: „Die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hatte sich von dem ‚Marsch für das Leben‘ distanziert. Die Landeskirche stehe für eine ergebnisoffene Schwangerenkonfliktberatung, hieß es im vergangenen Jahr [und warf] den Abtreibungsgegnern und ‚selbst ernannten Lebensschützern‘ religiösen Fundamentalismus vor.“ Hier kann man übrigens auch erkennen, dass sie so oft beschworene Formel „Wir haben mehr gemeinsam als uns trennt“ bzgl. der Tötung von Kindern im Mutterleib absolut zutreffend ist.

Schauen wir nun in den Text des BDK.

Es lässt niemand kalt, dass in Deutschland knapp 100.000 Kinder abgetrieben werden.

Das stimmt einfach nicht. Wer schon einmal an einem Stand für das Lebensrecht mitgearbeitet hat, weiß, dass diese Frage die meisten Zeitgenossen völlig kalt lässt. Und der BDK tut ja das Seine, um diese Thematik von den Menschen fernzuhalten.

Und auch wenn aktuell ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, so kann und darf diese Situation nicht kommentarlos hingenommen werden, sondern bedarf […] einer kritischen und öffentlichen Diskussion.

Zunächst einmal zum Rückgang: Im ersten Quartal 2017 sind rund 26.600 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland gemeldet worden: Das waren 1,3 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, teilte das Statistische Bundesamt mit. Und wo ist denn die „kritische und öffentliche Diskussion“. Sie findet einfach nicht statt. Und wie schon oben gesagt, genau das wird durch den BDK gefördert, indem er den Bürgern abrät, am „Marsch für das Leben“ teilzunehmen.

Ein erheblicher Teil der Befürworter des Marsches für das Leben lassen meines Erachtens diese differenzierte Auseinandersetzung mit einem komplexen Thema vermissen. So wird bspw. weder die Not von Frauen nach Vergewaltigung und bei lebensgefährdenden Schwangerschaften in den Blick genommen …

Das sind doch schlicht hohle Sprüche ohne jeden Bezug zur Realität. Was soll denn das Gefasel von „differenzierte Auseinandersetzung“ und „komplexen Themen“? Ich vermute, der BDK weiß selbst nicht, was er damit meint. Wenn hier etwa gesagt werden soll, dass  Gegner der Abtreibung die Nöte einer ungewollt schwanger gewordenen Frau nicht sehen oder nicht sehen wollen, so ist das eine faustdicke Lüge. Gerade Gegner der Abtreibung bieten auf verschiedenen Ebenen qualifizierte Hilfestellung an. Und wo findet sich auch nur ein Wort der Kritik an jenen Frauen, die sich in einer lebensgefährdeten Schwangerschaft befanden (was beim heutigen Stand der Medizin äußerst selten ist) und sich für eine Abtreibung entschieden haben? Ich bitte um eine Quellenangabe. Und wenn eine Frau eine Abtreibung hat durchführen lassen, dann sind es wieder diese „fundamentalistischen“ Abtreibungsgegner, die ihr zur Seite stehen und sie der Barmherzigkeit Gottes anempfehlen. Was die Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung (ebenfalls äußerst selten) betrifft, mag ja der DBK dem empfangenen Kind das Lebensrecht absprechen, ein Christ tut das nicht. Und dann sind da die Tausende von abgetriebenen Kindern, deren Mütter sich weder in einer lebensbedrohlichen Situation befanden, noch einer Vergewaltigung zum Opfer gefallen sind. Das interessiert den BDK wahrscheinlich nicht, denn er ist ja schließlich nicht „der Hüter seines Bruders“.

Es sei auch darauf hingewiesen, dass es engagierte Katholikinnen und Katholiken nicht zuletzt aus dem Erzbistum Berlin waren, die mit der Gründung von „donum vitae“ dafür kämpften, dass die betroffenen Menschen in ihrer Not nicht allein gelassen werden.

Das ist blanker Sarkasmus. „Donum vitae“ (treffender genannt: Donum mortis) stellt die so harmlos genannten Beratungsscheine (treffender genannt: Tötungslizenzen) aus. Wie schon oben erwähnt, gibt es viele Beratungsstellen, welche die Menschen in ihrer Note nicht allein lassen. Nur ein gravierender Unterschied: Sie leisten keine Beihilfe zum Kindermord, sensibilisieren aber die hilfesuchende Frau für die Problematik einer Abtreibung, indem sie alle erdenkliche Hilfe anbieten, aber einen Freischein zur Tötung des Kindes verweigern.

Anmerkung zum sog. Beratungsschein:

Lassen Sie mich ein Beispiel aus dem alltäglichen Leben anführen. Wenn jemand von der Fahrschule die Bescheinigung über die „erfolgreich bestandene Fahrprüfung“ bekommt, dann macht das nur einen Sinn, wenn er danach auch ein Auto fahren darf. Ansonsten wäre diese Bescheinigung völlig sinnlos. Deshalb wird dem Fahrschüler nach erfolgter Fahrprüfung nicht eine Bescheinigung ausgestellt, sondern er erhält seinen Führerschein. Genauso ist es mit der Bescheinigung der Beratung bei „Donum mortis“. Die Beratungsbescheinigung ist als solche völlig nutzlos, wenn sie nicht gleichzeitig die Tötung des Kindes im Mutteleib für Arzt und Frau sraffrei stellt. Und damit leistet „Donum mortis“ und der DBK, der sich rühmt diesen Verein gegründet zu haben, Beihilfe zum Mord.

Fazit: Im BDK zeigt sich das wahre Gesicht des modernen Katholizismus.

 

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Ein Kommentar zu „Getarnte Diener der Abtreibungslobby

  1. Die vordergründigen Motive des Diözesanrats lassen sich leicht als ideologisch nur notdürftig verbrämte Ablehnung der Lebensschutz-Bewegung als Ganzes erkennen. Natürlich muss man nicht mit jedem einzelnen Plakat konform gehen oder jedem Teilnehmer um den Hals fallen – aber der erhobene (pseudo-intellektuelle) Vorwurf, eine „differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Abtreibung vermissen zu lassen“ geht sichtbar fehl. Jeder hat in diesem Lande das Recht, friedlich für seine eigene Auffassung zu demonstrieren, d.h. niemand muß gleichsam als „wandelnder Vermittlungsausschuss“ beim demonstrieren Kompromißformeln oder Gegenargumente zu seiner Position proklamieren.
    Nicht nur bei diesem Anlaß hat man den deutlichen Eindruck, dass dem linkslastigen deutschen Gremien-Katholizismus „die ganze Richtung nicht passt“. Verständlich: Zu sperrig ist das Thema, wenn man sich doch eigentlich nur geschmeidig in den herrschenden soziokulturellen Mainstream eingliedern will. Schnell eckt man da bei den politisch und medial dominierenden Jüngern des hedonistischen Zeitgeistes an. Die Diffamierung der Demonstranten als Frauen-stigmatisierende Fanatiker ist da sicher der einfachere und „lohnendere“ Weg…

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