Bischof Koch und die „Heutzutage-Katholiken“

Ein entlarvendes Grußwort

 

 

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in katholischen Einrichtungen und Diensten, sehr geehrte Damen und Herren!

Liebe, Partnerschaft und Sexualität sind für Kinder und Jugendliche zentrale Themen bei der Entwicklung und Entdeckung ihrer eigenen Persönlichkeit und Identität. Das Erleben der uns von Gott geschenkten Sexualität prägt jeden Menschen ganz einzigartig.

Entsprechend stellt sich sexualpädagogische Arbeit als ein wesentliches und komplexes Handlungsfeld in der Begleitung von jungen Menschen in unseren Einrichtungen dar.

Hier stellt sich die Frage, welche Inhalte diese Arbeit aufzuweisen hat. Unter Bischof Koch sieht das so aus: „Auch Mädchen unter 18 Jahren haben grundsätzlich die Möglichkeit, eine Schwangerschaft in den ersten zwölf Wochen straffrei abbrechen zu können.“ Das ist keineswegs, wie oben behauptet, komplex, sondern absolut eindeutig.

Die Jugendkommission der deutschen Bischofskonferenz 1999 schrieb: „Wir wissen um die Schwierigkeiten, ohne Spannungen aufheben zu können. Aber wir wollen einander ermutigen, die Jugendlichen in konkreten Situationen nicht allein zu lassen und miteinander zu lernen.“ (AH 148 der DBK, S. 5). Diesem Zugang zu sexualpädagogischem Handeln in den unterschiedlichen katholischen Arbeitsfeldern möchte sich Bischof Koch ausdrücklich anschließen.

Das sind doch völlig leere Phrasen: „Wir wissen um die Schwierigkeiten, ohne Spannungen aufheben zu können.“ Was soll das denn heißen? Welch Spannungen sind da gemeint? Warum lassen sie sich nicht auflösen? Und wie will man einander ermutigen? Zu was will man einander ermutigen?  Was will man voneinander lernen?  Reine Worthülsen ohne jede inhaltliche Aussage! Die Ermutigung seitens Bischof Koch sieht wohl so aus,  „dass volljährige Personen grundsätzlich mit minderjährigen Personen schlafen dürfen, sofern es sich um einvernehmlichen Geschlechtsverkehr handelt.“

Auf diesem Fachtag wird es in besonderer Weise darum gehen, den Spannungen zwischen katholischer Sexualmoral, eigener Haltung, Lebenswelt und den sexualpädagogischen Anforderungen am Arbeitsplatz nachzuspüren und ins Gespräch darüber zu kommen.

Dieses Geschwafel ist kaum zu verdauen. Es geht doch nicht darum, Spannungen zwischen katholischer Sexualmoral und eigener Haltung „nachzuspüren“. Die katholische Sexualmoral ist eindeutig, und die eigene Haltung des überwiegenden Teils der katholischen Jugend –  gefördert u. a. durch die bischöflich geduldete „Jugendarbeit“ das BdkJ – hat damit überhaupt nichts mehr am Hut.

Der Titel dieses Fachtages „In Freiheit und Verantwortung“ nimmt auch den Ansatz des miteinander Lernens auf. Eine Kirche, die den Menschen heutzutage versucht, ihre Meinung aufzuzwingen, ist verrückt.

Es ist entlarvend, dass Bischof Koch die kirchliche Lehre als „Meinung“ verkaufen will. Jeder kann natürlich anderer Meinung sein. Und Bischof Koch möge doch einmal sagen, wo heute die Kirche ihre „Meinung“ irgendjemandem aufzwingt. Folglich kann man seine Aussage nur so verstehen, dass die katholische Kirche verrückt ist, wenn sie ihre Lehre noch verkündet. Hat er noch nicht gemerkt, dass es ganz andere Kräfte sind, die ihre perversen Vorstellungen von Sexualität in unsere Gesellschaft tragen und die Jugend vom Kindergarten bis zum Gymnasium indoktrinieren?  Aber Bischof Koch hat nichts anderes zu bieten als den Schlachtruf: „Da mach ich mit!“ oder seiner politischen Ausrichtung folgend: „Das schaffen wir.“

Und dann ist da das verräterische Wort „heutzutage“.

Hat denn Herr Koch noch nie einen Blick in die Kirchengeschichte getan? Haben sich etwa die Christen im Römischen Reich den damals gesellschaftlichen Gepflogenheiten angepasst? Sie waren verrückt genug, sich ihnen zu widersetzen und nach ihrem Glauben zu leben. Damit waren sie überzeugend, aber viele hat es das Leben gekostet. Und in der neueren Geschichte? Unter dem Nationalsozialismus gab es – auch bis in die höchsten Ränge der katholischen Kirche – etliche die sich dem „heutzutage“ angepasst haben. Sie sicherten sich damit ihr irdisches Wohlergehen. Aber es gab auch die verrückten Zeitgenossen, die ihrem Glauben treu blieben und das oft mit dem Tod büßen mussten. Und auch heute – um auf das Thema der Fachtagung zurückzukommen – gibt es verrückte Jugendliche, die sich dem Sexterror nicht beugen wollen. Leider finden sie in Bischof Koch keinerlei Unterstützung  für ihr mutiges und überzeugendes Vorbild. Sie werden von ihm allein gelassen, weil er sich lieber einer durchsexualisierten und permissiven Gesellschaft anpasst als Zeugnis für eine christliche Lebensgestaltung abzulegen. Ihn mahnt Paulus vergebens:  „Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene (Röm 12,2) !

Wir müssen die Unterschiedlichkeit von Vorstellungen über Sexualität in unserer Gesellschaft zur Kenntnis nehmen. In der Begleitung  junger Menschen müssen wir aber auch in der Lage sein, profiliert zu begründen, dass der christliche Glaube und sein Menschenbild zur Selbstverwirklichung, zu wahrer Beziehung und Intimität freimachen können.

Ich kann das leider nicht anders sagen: Totaler Schwachsinn, was der Bischof hier von sich gibt. Wo ist denn diese „Unterschiedlichkeit von Vorstellungen über Sexualität in unserer Gesellschaft“?  Es gibt doch  nur noch die vollsexualisierte Gesellschaft und einige verrückte Katholiken, die sich ihr wiedersetzen. Und was will Herr Koch denn damit sagen, dass „der christliche Glaube und sein Menschenbild zur Selbstverwirklichung, zu wahrer Beziehung und Intimität freimachen können“? Meint Her Koch vielleicht folgenden Beitrag aus den „Praxistipps“ des Fachtages:

Wie funktioniert *** ? (Das Wort finden Sie auf S. 3 in den „Praxistipps“ des bischöflichen Sexteams.

  1. Erklärung des Begriffs
  2. Klischeesaufklären (nicht alle Männer wollen immer…)
  3. Auf sexuelle Bedürfnisse aufmerksam machen–nur das tun, was man auch selbst als lustvoll empfindet

Wie beruhigend: Nicht alle Männer wollen …  

Wie tief christlich: Nur das tun, was man selbst als lustvoll empfindet.

Ich möchte Sie ermutigen, sich hier und heute auf einen offenen Austausch einzulassen und sich in Ihrem Arbeitsalltag in diesem Sinne auf den Weg zu machen. Ich möchte Sie um profilierte sexualpädagogische Arbeit in Ihrer Einrichtung bitten und Ihnen Mut dazu machen. Es ist unser Auftrag, jungen Menschen dem Suchen und Fragen nach der eigenen Persönlichkeit und Körperlichkeit Ausdruck zu geben und ihnen dabei zur Seite zu stehen.

Diesen letzten Abschnitt des Grußwortes zu kommentieren erübrigt sich

 Hierzu wünsche ich Ihnen gutes Gelingen, wertvolle Impulse und Gottes Segen!

Erzbischof Dr. Heiner Koch

Berlin, 23. Februar 2016

Gottes Segen auf diesen Fachtag herabzurufen scheint mir nahe an der Blasphemie zu sein.

 

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Ein Kommentar zu „Bischof Koch und die „Heutzutage-Katholiken“

  1. Gibt es für die Katholikinnen und Katholiken nichts schöneres und wichtigeres, als andauernd Frauen und Männern zwischen die Beine zu starren?
    Ich sehe ja ein, dass die Einordung und beherrschung Sexualität der Menschen ein extrem wichtiges Herrschaftsinstrument ist, das man ungern aus der Hand gibt,
    ABER … vielleicht hat es sich in den Kreisen der Allerfrömmsten noch nicht herumgesprochen, aber in Fragen von Liebe und Sexualität ist der römisch-katholische Klerus nicht unbedingt eine erste Adresse. Die Menschen wissen das und fragen lieber bei pro familia und ähnlichen Institutionen nach. Deswegen sind die ganzen Anstrengungen die Sexualität der Menschen zu beherrschen regelmässig von Misserfolg gekrönt.

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